Wie Marret in Bern die Liebe zu sich selbst fand


Es folgt ein Erfahrungsbericht meiner Kundin Marret. Sie reiste für ihr Selbstliebe-Fotoshooting extra aus Hamburg an. In ihrem Artikel erzählt sie von ihrer Reise nach Bern, warum das "sich auf den Weg machen" ein wichtiger Teil ihrer ganzen Erfahrung war und weshalb ihr kein Weg zu weit ist, um sich selbst näher zu kommen. Marret teilt mit dir, was das Shooting mit ihr gemacht hat und gewährt intimste Einblicke in ihre Erlebnisse vor, während und nach dem Fotoshooting.




Ich glaube schon lange nicht mehr an Zufälle. Also, dass einem etwas zufällt, daran glaube ich schon. Aber ganz absichtsvoll, weil es für unser Leben und unsere Weiterentwicklung wichtig und wertvoll ist.


Und so gibt es Begegnungen, die unser Leben verändern. Die genau so, wie sie sich ereignen, und zu genau dem Zeitpunkt, an dem sie sich ereignen, richtig und wichtig sind. Die uns neue Erfahrungen machen lassen, die unserem Leben eine neue Ausrichtung geben.



Wenn eine(r) eine Reise tut: Wie reisen unser Leben verändern kann


Das Gleiche gilt für Reisen: Sie können dein bisheriges Leben, wie es war, vollständig auf den Kopf stellen. Weil sie uns mit Anteilen von uns selber konfrontieren, mit denen wir uns bislang vielleicht noch nicht auseinander gesetzt haben. Weil wir bereit sind, den nächsten Schritt zu gehen – auch wenn wir das vielleicht erst einmal nicht wissen bzw. nicht wahrhaben wollen.


Weil wir immer als ein anderer Mensch zurückkommen werden, voller neuer Eindrücke und Impressionen. Wer mit offenen Augen und Ohren durch die Welt geht, der wird ganz sicher mit einem Reichtum beschenkt, der nichts mit einem vollen Portemonnaie zu tun hat.





Lernen durch Schmerz: Das heilende Potential eines Perspektivwechsels


Manche von uns machen eine Reise, weil sie Fernweh haben. Eine Auszeit brauchen. Erholung. Abwechslung. Und manche treten eine Reise an, wenn sie ein wenig Abstand brauchen.


Machen wir beispielsweise schmerzhafte Erfahrungen, so kann es nach einer ersten Phase der Trauer und vielleicht auch des Rückzugs und des sich Einigelns Sinn machen, den Blickwinkel zu ändern.


Eine neue Perspektive einzunehmen. Dafür braucht es nicht zwingend einen Ortswechsel, aber manchmal hilft dieser zusätzlich.


Gerade wenn schmerzhafte Erfahrungen an unserem Selbstwert und unserem Selbstbewusstsein kratzen, tun wir gut daran, uns nicht in endlosen Selbstvorwürfen und -abwertungen zu verlieren, sondern rauszugehen in die Welt und den Kontakt zu suchen zu Menschen, die es gut mit uns meinen und die uns im dem bestärken, was wir sind: liebenswerte, wertvolle, innerlich und äußerlich schöne Menschen.





Für sich selbst aufstehen: Der Beginn einer Reise zu uns selbst


Auch wenn wir es in unserem tiefsten Schmerz oftmals schwerlich erkennen können, manchmal brauchen wir sogenannte „Arschengel“ und/ oder bittersüße Erlebnisse, die sich vielleicht am Anfang ganz toll angefühlt haben und sich dann aber als Krafträuber bzw. falsche Fährte herausstellen, um auf unserem Weg weiterzukommen.


Um endlich für uns auf- und einzustehen, um unseren eigenen Weg zu gehen und nicht länger wie ein Fähnchen im Wind alles im Außen zu tun, um anderen zu gefallen. Und manchmal beginnt mit dem Aufstehen eine einzigartige Reise zu uns selbst.


Eine Reise, die uns an Orte und zu Menschen führt, die auf ungewöhnliche Art und Weise zu uns kommen. Lene Wichmann ist mir von einer Arbeitskollegin ans Herz gelegt worden, deren Freundin einmal ein Fotoshooting mit Lene gemacht hat.


Und sofort hat alles in mir gesagt: Diese Frau muss ich kennen lernen. Gesagt, getan. Ein paar wenige Vorgespräche später durfte ich Lene für Vitamin FEM (Marret's Podcast rund um's Frau sein und weibliche Sexualität) interviewen.

Das Interview kannst du hier anhören.



Wenn wir einmal damit in Berührung kommen, wie es sich anfühlt, ganz tief mit uns selbst verbunden zu sein, dann können wir immer wieder dahin zurückkehren.

Marret Vögler-Mallok





Wenn die Neugier siegt: Auf dem Weg zu meiner ganz eigenen Selbstliebe-Shooting-Erfahrung


Es war von Anfang an ein Interview, das polarisiert hat. Menschen beim Sex fotografieren?! Selbstliebe-Shootings für Frauen – was ist das?! Die meisten Menschen, denen ich davon erzählt habe, fanden es ziemlich spannend, aber selber würden sie so etwas natürlich nie machen.


Für mich hat es sich ganz anders dargestellt. Nach dem Interview wusste ich: Das möchte ich auch einmal ausprobieren. Ich war noch nie in Bern. Und ich verreise selten allein. Beides weitere gute Argumente, um diese besondere Reise anzutreten.

Es sah also so aus, als wenn es nur eine bereichernde Erfahrung werden könnte.


Dass das Wochenende in Bern allerdings so eine durchschlagende und nachhaltige Wirkung haben würde, damit habe ich nicht gerechnet. Selbstverständlich hatte ich eine Art Erwartungshaltung, was während eines solchen Shootings wohl passieren würde.


Aber ganz bewusst habe ich versucht, mich davon nicht zu sehr einnehmen zu lassen. Ich wusste im Vorfeld nur eines sicher: Egal was passieren würde, ich würde eine große Portion Selbstliebe tanken und mit nach Hause nehmen.





Selbstliebe: Weit mehr als nur ein medienwirksames In-Wort


Das Thema Selbstliebe war vorher nicht nur auf meiner Vitamin FEM-Redaktionsliste, es ist auch eines, das mich mein ganzes Leben schon beschäftigt. In unterschiedlichen Facetten. Ich bin sicher, den meisten Frauen geht es so.


Viel von der Wertschätzung, die wir uns selbst entgegen bringen, machen wir davon abhängig, ob uns andere schön finden, uns mögen bzw. lieben. Wir sind wahnsinnig viel damit beschäftigt, im Außen ein Bild von uns zu kreieren, das attraktiv und liebenswert ist. Dabei vergessen wir oftmals, in uns selbst hineinzuhorchen.


Die Folgen sind weitreichend bekannt, und auch ich habe einige davon bereits durch: Essstörungen, Depressionen, toxische Männerbeziehungen.


Ein Shooting mit Lene verliert das alles nicht aus den Augen. Es beschönigt nichts, möchte kein kurzfristiges Selfcare-Ritual sein ohne langfristige Wirkung. Und das ist es auch nicht.


In den Stunden, in denen ich mich mit Lene auf eine außergewöhnliche Reise zu mir selbst begeben habe, ist so viel passiert auf der körperlich-geistig-seelischen Ebene, dass ich mich danach gefühlt habe als sei ich einen Marathon gelaufen. Und auch Tage später hatte ich das Gefühl, noch einiges integrieren zu dürfen.





Selbstliebe-Shooting oder ein Date mit mir selbst


Ich möchte in diesem Blogartikel gar nicht so sehr darauf eingehen, wie so ein Selbstliebe-Shooting abläuft. Ich würde mir stattdessen wünschen, dass möglichst viele Leser/- innen es selber erfahren dürfen. Was ich aber gerne teilen möchte ist, was es mit mir gemacht hat.


Noch nie war ich vor einer Kamera so sehr ich selbst, so frei und losgelöst von irgendwelchen Erwartungen an die Bilder. Lene hat den Raum geschaffen, in dem ich all das sein durfte, was ich bin: eine sehr emotionale, verletzte Frau einerseits und eine sehr starke, lebenshungrige und neugierige Frau anderseits.


Bei dem Shooting gab es viele Momente, in denen ich gespürt habe: Ich bin so viel mehr als das, was ich nach außen zeige. So viel komplexer. Ich trage Widersprüche in mir, Schmerz und eine sehr große Sehnsucht. Aber genauso ist da eine überraschende Klarheit.


Viele Frauen kennen das Gefühl, sich nicht wohl zu fühlen mit sich selbst und sich ständig mit anderen zu vergleichen. Ich finde die Begrifflichkeit „nicht gut genug sein“ mindestens genauso überstrapaziert wie das Wort „Selbstliebe“, aber natürlich geht es im Kern um genau diese Empfindungen. Und das Shooting mit Lene gibt den Raum dafür.


Ich habe in den Stunden mit mir gehadert, mich geliebt (im körperlichen wie im emotionalen Sinne), habe geweint, gelacht, getanzt und einfach nur dagelegen und in mich reingefühlt. Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Und es durfte sich am Ende alles wundervoll integrieren.





Was ich mitgenommen habe: Erkenntnisse aus dem Selbstliebe-Shooting


Ich habe für mich aus dem Shooting und der damit verbundenen Reise nach Bern nicht nur mitgenommen, dass wir es uns definitiv wert sein sollten, eine solche Erfahrung zu machen. Ich habe auch mitgenommen, dass es einen wesentlichen Unterschied macht, als Frau von einer Frau fotografiert zu werden.


Und ich habe wieder einmal mitgenommen, dass Mut immer belohnt wird. In Corona-Zeiten zu reisen ist nicht immer eine Freude, aber wenn wir instinktiv spüren, dass wir eine Reise antreten sollten, dann kann und darf uns nichts aufhalten.


Mit den Erfahrungen des Selbstliebe-Shootings in der Hinterhand kann mich zukünftig nichts mehr aufhalten. Natürlich schlägt das Leben manchmal Wellen, und manchmal überrollen sie uns auch.


Aber wenn wir einmal damit in Berührung gekommen sind, wie es sich anfühlt, ganz tief mit uns selbst verbunden zu sein, dann können wir immer wieder dahin zurückkehren. Ich bin Lene sehr dankbar für diese tiefgreifende Erfahrung jenseits irgendwelcher oberflächlichen Fotoshootings und/ oder Selbstliebe-Rituale.




Masturbation vor der Kamera: Meine Learnings


Am Ende sind an dem Shootingtag wunderschöne, sinnliche Fotos entstanden. Besonders die Serie, in der ich masturbiere, berührt mich auf eine spezielle Art und Weise, weil sie mich so verletzlich und gleichzeitig stark zeigt, der Realität entrückt und gleichzeitig sehr präsent im Moment, mit mir selbst vertraut und mich selbst erforschend.


Es gibt wohl kaum einen intimeren Moment, in dem wir uns aufnehmen lassen können. Ich habe Lenes Anwesenheit in diesem Moment wahrgenommen und genossen und war dennoch ganz bei mir. Habe mich fallen lassen in der Musik und mich meinen Berührungen hingegeben.


Ich habe Raum und Zeit vergessen und einfach nur das geschehen lassen, was geschehen sollte. Zu keinem Zeitpunkt kam ein Gefühl der Scham auf. Auch ging es zu keinem Zeitpunkt um etwas Voyeuristisches. Kein Hand anlegen für ein ästhetisches Foto, was ich im Kopf hatte, sondern nur spüren und der Intuition folgen.


Das leise Klicken der Kamera habe ich irgendwann gar nicht mehr gehört. Stattdessen habe ich mich vollständig meinem Körper zugewandt und ihn gefeiert.


Nach dem Orgasmus überkam mich eine Welle der Emotionen und schossen mir die Tränen in die Augen. Ich habe mich ihrer nicht geschämt, sondern sie als untrügliches Zeichen dafür genommen, dass ich in der Lage bin, bei der Selbstliebe* vollständig die Kontrolle abzugeben und mich in diesem Loslassen selbst zu befreien und zu erkennen mit allem, was ich bin.





Nachwirkungen: Was das Selbstliebe-Shooting nachhaltig für mich verändert hat


Ich bin oft gefragt worden, warum ich für ein Shooting so weit weg gefahren bin. Warum ich vor einer Kamera masturbiert habe. Und warum wir, um Selbstliebe zu empfinden, Fotos von der eigenen Person machen lassen sollten.


Meine Antwort war immer dieselbe: Warum nicht. Und wer es dann genauer wissen wollte, für den habe ich noch hinterher geschoben: Weil kein Weg zu weit und keine Mühe zu groß ist, um sich selbst in seiner Gänze zu erfahren.


Meine Reise zu mir selbst hat viel früher angefangen, und sie ist auch noch lange nicht vorbei, aber die Tage in Bern und die Stunden mit Lene waren ein Turbobooster in Sachen Selbstbewusstsein und haben mich auch hinsichtlich des Annehmens meines Frauseins noch einmal auf ein neues Level gehoben."


Text: Marret Vögler-Mallok


Marret hat für Vitamin FEM auch eine kurze Podcast Folge aufgenommen, in welcher sie von ihren Erfahrungen während ihres Fotoshootings berichtet. Du kannst sie hier anhören. Und zum Interview mit mir geht's hier entlang.


*Jede Frau, kann "Selbstliebe" auf ihre Weise definieren und aus ihrem Shooting machen, was sie möchte und sich für sie stimmig anfühlt. Alle Gefühle und Impulse sind dabei willkommen - auch Masturbation. Sie kann und darf Teil sein, muss aber gar nicht. Wie du dein Shooting für dich nutzen und erleben möchtest, ist ganz dir überlassen.





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