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"Es ist, als würde mir ein kompletter Neubeginn bevorstehen."





Jahrelang fühlt sich Karin, 47 Jahre, isoliert. Eine Krankheit schwächt sie so sehr, dass ein normales Leben unmöglich ist.


Ihren Körper lehnt Karin immer mehr ab. Intimität und Sinnlichkeit sind lange kein Thema. Als Frau fühlt sie sich unsichtbar.

Stillstand, nichts geht voran.


Dann trennt sich nach 16 Jahren ihr Partner von ihr - ein Wendepunkt für Karin,

der erst schwer ist und dann ganz viel neue Kraft freisetzt. Heute fühlt sich Karin wie die Raupe, die zum Schmetterling wird und seine Flügel ausbreitet.


Im Interview erzählt sie mir ihre Geschichte, warum sie zu mir kam, um ein Selbstliebe-otoshooting zu machen was sie daraus mitgenommen hat und wie sie sich jetzt fühlt. Du kannst das Interview als Video (siehe oben) anschauen oder das Transkript lesen.




Inhalt:








Transkript vom Interview (leicht gekürzt):



Magst du uns kurz einmal abholen, wo du jetzt gerade im Leben stehst und kurz erzählen, wie alt du bist und in welcher Lebenssituation du dich befindest. Damit wir eine Idee bekommen, aus welcher Situation heraus, du dich für das Fotoshooting entschieden hast.


Also ich bin 47 Jahre jung, und im Moment stehe ich an einem ganz anderen Ort als damals noch beim Shooting. Es hat sich inzwischen so viel getan. Ja, es ist so, als wenn der Schmetterling beginnt, seine Flügel zu spannen. So fühlt es sich im Moment an.


Und es ist auch viel Vorfreude da und ich staune immer wieder, wie mich das Leben seit mehreren Wochen beschenkt. Ich komme teilweise gar nicht hinterher. Es hat sich so viel getan. Ja, es fühlt sich einfach wie ein komplett neues Leben an!




Magst du uns da noch ein Stück tiefer mit reinnehmen und ein paar Dinge erzählen, die sich getan haben seit dem Fotoshooting? Inwiefern hat sich dein Leben seitdem verändert?


Es sind neue Menschen in mein Leben gekommen, die mein Leben sehr bereichern. Mein Leben ist auch viel lebendiger geworden, viel bunter. Es ist so, als würde mir ein kompletter Neubeginn bevorstehen, auf allen Ebenen. Auch beruflich beginne ich mich jetzt neu zu orientieren, nach so vielen Jahren des zurückgezogenen Lebens.


Jetzt komme ich wirklich in die Sichtbarkeit. Das ist ein großer Unterschied und es öffnen sich neue Wege, ohne dass ich mich anstrengen muss. Es ist schwierig zu beschreiben. Ich kann mich inzwischen wieder von der Freude leiten lassen. Als wäre wirklich etwas in mir aufgegangen.


Viele, viele Jahre kannte ich die Freude kaum noch, obwohl ich viel Lebensfreude in mir trage, aber sie konnte sich nicht entfalten. Nach der Trennung von meinem damaligen Partner und dieser Schmerzphase stehe ich jetzt anders im Leben und die Freude kommt wieder zum Vorschein.


Ich habe so viel Lebenslust und bin so unternehmungslustig. Ich entdecke mich neu und erlebe mich auch viel mehr in meiner Kraft. Ich wachse täglich in meine Größe hinein und meine Kraft nimmt zu, auch körperlich. Die Freude ist für mich ein ganz essenzieller Antrieb.




Ich finde diese Lebensfreude sieht man dir an. Total schön. Während du erzählt hast, kamen mir zwei Fragen in den Sinn. Du hast gesagt, du fühlst dich sichtbarer. Ich habe ja nicht nur Fotos von dir gemacht, sondern man sieht dich auch in einem Fernsehbeitrag.


Das ist natürlich auch noch mal etwas anderes. Gab es denn Reaktionen auf die Bilder oder auf den Film bzw. welche Art Frau man in dem Film und auf den Bildern sieht? Und wenn ja, welche? Wie hat sich das angefühlt, auf einmal so sichtbar zu sein?


Also, wenn ich ehrlich bin, fühlt es sich gut an, wirklich gut, weil einfach die Zeit reif war - hatte ich so das Gefühl. Die Zeit ist einfach jetzt reif für mich, sichtbar zu werden oder sichtbar zu sein, immer mehr. Ja, es gab Reaktionen, es gab viele Reaktionen und die meisten waren sehr berührt. Die meisten waren auch sehr berührt von meiner Ausdruckskraft. Ja, auch von dieser Sinnlichkeit, die sichtbar wurde.





Und was macht das mit dir? Wie fühlt sich das für dich an, wenn Menschen von außen kommen und diese Bilder sehen, dich sehen und berührt davon sind, welche Frau sie da sehen oder auch, wie sich die Frau entwickelt hat? Im Film sieht man ja, wie es dir vorher ging und während des Shootings und danach. Wie fühlt sich das an?


Sehr berührend. Es ist auch eine Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin - dass ich da weiter gehen darf und soll. Und es gibt mir auch Selbstvertrauen, wirklich zu erkennen und anzuerkennen: da hab ich was zu geben, da will was raus aus mir. Also, wo ich diese Welt zu beschenken habe - und ja, das ermutigt mich. Das ermutigt mich, damit ich auch diese Selbstzweifel hinter mir zu lassen und über sie hinauszuwachsen kann.




Du hast vorhin gesagt, dass du dich jetzt sichtbarer fühlst. Warum hast du dich vorher vielleicht nicht so sichtbar gefühlt? Und du hast auch angedeutet, dass du eher zurückgezogen gelebt hast. Kannst du uns da noch ein bisschen tiefer mitreinnehmen, wie dein Leben vor dem Fotoshooting war?


Also viele, viele Jahre war ich krank, schwer krank. Und da war ich schon von der Situation her isoliert. Ich war wirklich fast komplett aus dem Leben zurückgezogen. Und dann war ich eben auch in dieser langjährigen Beziehung, die mir nicht gut getan hat, und ich konnte auch nicht ausbrechen. Ich hab's einfach nicht geschafft.


Es gab dann auch so eine Diskrepanz in mir, und ich merkte wirklich, dass in mir viel, viel mehr ist, aber ich konnte es nicht geben. Und dadurch hatte ich so das Gefühl, ich verwelke immer mehr. Es war wie ein Verwelken. Und jetzt im Nachhinein kann ich einfach sagen, ich bin meinem ehemaligen Partner so, so dankbar, dass er diese Beziehung beendet hat, auch wenn es wirklich hart war, die ersten Wochen, Monate.


Aber inzwischen kann ich sagen, das war das Beste, was er für uns beide tun konnte. Weil ich einfach merke, in diesen 16 Jahren, wo wir zusammen waren, habe ich mich wirklich stark verändert. Wenn ich jetzt sehe, was diese Trennung bei mir für Kräfte freigesetzt hat, das kann ich fast nicht glauben.


Jetzt wachse ich in mein Potenzial hinein. Es sind neue Menschen in mein Leben gekommen, die jetzt meinem Sein mehr entsprechen. Und das ist einfach viel mehr im Außen, als eben dieses zurückgezogene Sein. Und ich merke auch, wie mein Körper sich dadurch auch beginnt, langsam zu verändern.


Dadurch, dass weniger Stress da ist, durch diese Belastung, Trennungsbelastung und eben auch Belastung, die ich in der Beziehung erlebt habe. Es kommt so allmählich etwas mehr zur Ruhe, und ich spüre, wie mein Körper stabil ist. Ich fühle mich stabil, ich fühle mich gehalten. Ich fühle mich geerdeter, weil ich einfach nicht mehr diesen permanenten Stress in mir habe, dem ich so lange ausgesetzt war.




Du hast gesagt, dass du schwer krank warst. Welche Diagnose hast du bekommen? Und wie hast du dich damit gefühlt?


Bei mir wurde 2001 eine chronische Dickdarmentzündung diagnostiziert. Das ist eine ziemlich schwere Krankheit. Das ist eine Autoimmunerkrankung, die schubweise auftritt und wirklich intensiv ist. Ich war jahrelang in einem Dauerschub und das hat meinem Körper wirklich alles abverlangt.


Ich war auch auf die Pflege von außen angewiesen, weil ich weder kochen noch sonst etwas tun konnte und es war nicht möglich, nach draußen zu gehen. Ich war so entkräftet und voller Schmerzen. Aber ich möchte jetzt nicht weiter darauf eingehen, da es natürlich auch permanenter Stress war.


Das war eine sehr intensive Zeit und den letzten Schub hatte ich 2017, 2018. Ich habe dann meinen eigenen Weg gesucht und mich von der Schulmedizin abgewandt, weil die Ursache nicht gelöst worden ist.




Was hat diese Diagnose - und auch, was sie für dich im Alltag bedeutete - mit deiner eigenen Sicht auf dich und deinen Körper und dein Frausein gemacht?


Puh. Ja, das hat ganz viel mit mir gemacht. Also von einem Moment auf den anderen funktionierte einfach nichts mehr so wie vorher. Und ich war dann mit dem Überleben beschäftigt, statt zu leben und das jahrelang. Und die Krankheit hat meinen Körper auch wirklich ausgezehrt.


Ich war extrem dünn dadurch geworden aufgrund der Symptome, die damit einhergehen. Weil ich kein Essen mehr in mir behalten konnte. Das hat mir alles abverlangt. Und Frausein war kein Thema. Also in so einer Situation sind wirklich nur noch die allerwichtigsten Dinge und Sachen wichtig, für alles andere hat man gar keine Kraft und Kapazität, sich darum zu kümmern.


Ich habe meinen Körper, wenn er dann wirklich nicht mehr funktioniert hat, abgelehnt. Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Resignation waren allgegenwärtig. Für mich war es schwierig, dass man mir das kaum angesehen hat. Also in den ganz, ganz schlimmen Phasen hat man es… Ich war extrem abgemagert und man hat es mir im Gesicht angesehen, aber ansonsten war ich wie die Anderen, eigentlich wie gesund.


Das war ganz schlimm für mich. Wenn man ein Bein gebrochen hat, sieht man das. Dann erhält man Mitgefühl und es wird nicht so viel von einem gefordert oder eben nichts mehr. Dann darf man vielleicht auch eher in Ruhe heilen und genesen. Wenn es dann eben nicht sichtbar ist, dann bekommt man so einiges zu hören.





Hatte das alles auch Einfluss auf dein Selbstwertgefühl? Wie du mit dir selbst umgegangen bist und wie du auf dich selbst geschaut hast und du zu dir selbst warst?


Also, ich muss dazu sagen, dass mein Selbstwert sowieso im Keller war. Einen gesunden Selbstwert konnte ich gar nicht entwickeln, weil ich immer das Gefühl hatte, ich sei falsch und wertlos. Aber die Krankheit hat dann alles noch verstärkt oder vielleicht auch sichtbarer gemacht.


Bei einer Autoimmunerkrankung kämpft der eigene Körper gegen sich selbst, und das hat das Ganze jedenfalls nicht gefördert. Und ich muss auch dazu sagen, dass in den ganz schlimmen Phasen hat man gar nicht die Kapazität, sich damit auseinanderzusetzen.


Erst als es mir besser ging, konnte ich mich mit anderen Themen beschäftigen - das Innere. Weiblichkeit, gelebte Sexualität und Sinnlichkeit waren jahrelang absolut kein Thema, das ging gar nicht. Da fühle ich Traurigkeit.


Ich erlebe mich selbst als eine sehr sinnliche Frau, sehr körperlich und lebensfreudig. Ich merke gerade, mein Körper beginnt gleich zu spielen und zu sprechen und will sich auszudrücken. Ich bin auch eine Frau, die Sexualität gerne mag. Das war dann einfach weg.




Du hast erzählt, dass es dir über viele Jahre hinweg nicht gut ging und einfach andere Dinge wichtiger waren, es mehr ums Überleben, als ums eigentliche Leben ging. Wie hast du da wieder raus gefunden? Denn jetzt strahlst du und sitzt hier ganz lebensfreudig vor mir. Was ist da passiert? Was hat sich verändert?


Also, die Krankheit war und ist immer noch meine Meisterin, also meine Lehrerin. Sie hat mir ganz, ganz viel über mich selbst gelehrt. Ich war gezwungen, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen, und ich musste auch die Steine, die dabei auf meinem Weg lagen, zigfach umdrehen. Es wollte wirklich alles genauestens geprüft und erforscht werden.


Was mir aber nie abhandengekommen ist, und das berührt mich jetzt gerade wieder, ist diese Lebensfreude. Ich habe da wirklich einen kostbaren Schatz und der blieb mir immer irgendwie zugänglich. Etwas ganz, ganz Reines, Kindliches, Kindlich-Verspieltes, aber nicht kindisch. Und das ist bei mir immer an der Oberfläche.


Das wurde nie, trotz meiner Geschichte und meines familiären Hintergrundes, verschüttet. Und das ist das, was mich sicher am Leben erhalten hat, auch der Grund, warum ich nach einem Schub wie der Phönix aus der Asche auferstanden bin.


Nur wieder überhaupt auf den Beinen stehen zu können, das war teilweise beinahe ekstatisch. Man kann sich das nicht vorstellen, wenn man das nicht selbst erlebt hat, wenn plötzlich die alltäglichsten Dinge nicht mehr selbstverständlich sind. Als ich das erste Mal nach einem Schub auf mein Fahrrad steigen konnte und diese Freiheit genießen konnte, war das wirklich unbeschreiblich.


Ich habe wirklich gelernt, mich an den kleinsten Dingen zu erfreuen, sei es, wenn ich eine Blume sehe oder die Äpfel, die prall am Baum hängen. Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich einfach nur noch am Jubeln war. Das ist wirklich eine Qualität von mir. Das hat sich jetzt potenziert.


Es muss raus. Jetzt merke ich, dass es in die Welt fließen darf, dass ich die Menschen damit beschenken kann, einfach durch mein bloßes Sein und dass sich die Menschen auch davon anstecken lassen davon, ohne dass ich etwas tun muss. Das finde ich wunderschön.




Wie kamst du denn dann auf die Idee, ein Fotoshooting zu machen? Wie ist dir das begegnet? Wann war der Moment, wo du dachtest, das könnte vielleicht was für dich sein? Und wie lange hat es gedauert, dich dafür zu entscheiden?


Ich glaube, ich habe dich auf Facebook entdeckt oder im Internet gefunden, ich weiß es nicht mehr genau. Ich war so fasziniert von deinen Bildern. Ich wusste sofort, als ich diese Bilder sah, dass da eine gewisse Intimität und Authentizität spürbar ist, die mich sehr berührt hat, und auch deine Kunst und Arbeitsweise haben mich beeindruckt.


Dann verging sicherlich über ein Jahr, glaube ich. Ja, und dann kam die Trennung. Ich habe deine Arbeit weiter verfolgt und jedes Mal, wenn ich sie sah, hat es mich zutiefst berührt.


Irgendwann wurde mir klar, dass ich dich treffen muss, dass es mein Herz ist, das mich zu dir führt. Wenn mein Herz mir etwas sagt, dann folge ich bedingungslos. Also habe ich mich bei dir gemeldet, und ich bereue es keine Sekunde.





Du sagst, dein Herz hat dich hierher geführt und dich dazu gebracht, dich dafür zu entscheiden. Das hört sich sehr entschlossen an. Aber gab es vielleicht auch Zweifel? Oder Bedenken, oder Ängste, die du vorher hattest?


Nein, die kamen dann erst beim Vorgespräch. Aber davor nicht. Also, es ist wirklich bei mir so klar und dann mache ich das. Da überlege ich nicht. Da war bei mir etwas ausgeschaltet, da ist wirklich eine Klarheit. Die Zweifel, die Ängste, die kamen dann erst, als ich mich entschieden hatte.


Da dachte ich mir: „Oh, mein Gott, wie sehen meine Brüste aus?“ weil ich eben mein Leben lang Mühe damit hatte. „Ja, und dann sieht man meine Cellulite und und und.“ Da kommen eben all diese Dinge. Aber es hätte mich nie davon abgehalten, es zu tun.


“Kann ich das?” Das war dann auch so eine Frage. Und auch vielleicht wegen der Nacktheit. Da habe ich gemerkt, das ist auch ein Schritt für mich. Das ist für mich nicht selbstverständlich. Meinte ich zumindest. (Lacht)


Da begegnen einem wirklich ganz, ganz viele Konditionierungen. Und Konditionierungen, die ich dann einfach auch während des Shootings bemerkte. Vielleicht kommen wir später noch dazu, wenn ich dann merke, ah ja, das hat rein gar nichts mit mir zu tun, rein gar nichts. Aber ja, die Zweifel, die Ängste - die kommen. Also, vielleicht nicht bei allen, aber bei mir waren sie da.




Nun ist dein Fotoshooting schon ein paar Wochen her. Weißt du noch, wie du dich davor gefühlt hast, was da so präsent war, wie es dir ging? Warst du aufgeregt oder ruhig? Erinnerst du dich noch?


Ja, ich war so aufgeregt. Da war auch eine Schüchternheit. Und gleichzeitig war es auch eine Klarheit, dass es gut kommen wird, weil mein Herz mich ja geleitet hat.




Und weißt du noch, wie sich dein Gefühl verändert hat während des Shootings? Wie hast du dich währenddessen gefühlt? War das vielleicht am Ende anders als am Anfang?


Komplett.




Was ist während des Shootings passiert?


Also für mich war das eine sehr intensive Reise. Das Intensivste war für mich zu erleben, wie viel Lebendigkeit in meinem Körper ist. Damit hätte ich nicht gerechnet, weil ich dann doch die Idee hatte, dass ich ja so schwach bin und so geschwächt durch all die Jahre. Und da war dann plötzlich so viel Leben, das sich ausdrücken wollte.


In dem Moment musste ich innehalten und habe auch geweint, weil ich es nicht glauben konnte. Ich war wirklich fassungslos für einen Moment lang. Und dann habe ich gemerkt, da ist ja so viel Gesundes da - und war immer da. Und es war auch wie eine Art Betäubung, dass ich das gar nicht gesehen oder gar nicht erlebt habe davor.


Diese Erfahrung war dann so stark und hat wirklich etwas in mir freigesetzt. Und dann auch diese Sinnlichkeit, die dazu kam. Das war teilweise gefühlt wie ein Vulkan. Und ich so: „Wow, das bin ich, das lebt in mir, wow!“ Das war natürlich ganz, ganz besonders.


Und es gab dann so einen Moment, wo ich innerlich den Impuls verspürte, Kleidung abzulegen. Und dann kamen meine Ahnen. Die waren hinter mir, wie ein Sog und haben gesagt: „Nein, mach das nicht.“ Und das war heftig. Ich stand da wirklich vor einer Schwelle und ich fühlte auch Scham. Welche Abzweigung nehme ich jetzt?


Ich habe mich für mich entschieden. Ich habe mich für mich entschieden und habe Kleidung abgelegt. Das war ein bewegender Moment, weil ich dann eben auch noch im Tanz, also in der Bewegung, spürte: „Ah, diese Scham“ wegen den Brüsten und es tauchte immer wieder auf … aber ich konnte damit sein.


Und dann fielen immer mehr Hüllen und ich war nackt. Und dann kam ich an den Punkt, wo ich das wirklich genießen konnte. Wo ich in mir loslassen konnte und realisierte: „Ah, das ist eigentlich das, was mir am meisten entspricht.“ Dieses Unverhüllte, dieses Echte, dieses Normale, dieses "ich zeige mich ja auch verletzlich, wenn ich nackt bin" und das ist mir eigentlich am liebsten und irgendwo auch vertraut.


Das hätte ich nie erwartet. Das war so eine starke Erfahrung, wo ich merkte: „Oh ja, ich will das leben, ich will es auch ausleben, ich will experimentieren, ich will erku